Introducing Barrio Jazz:               A journey into the Latin Groove

Die ursprünglichen Einflüsse des „Salsa“ findet man nicht in einem einzigen Land. Diese Musik hat die Einflüsse von Puerto Rico, Venezuela, Afrika und Kuba. Die wirkliche Geburtsstätte dieses Genre, und da sind sich alle Experten einig, liegt in den „Barrios“ des Big Apple. Was in der Theorie „Melting Pot“ auf Musik bezogen bedeutet, hatte hier Ende der 60er Jahre seine Entstehung und offensichtlich auch seine Bestätigung. Hier verschmolzen die Stile der Musik der so verschiedenen Minderheiten zu einem Produkt, welches das Label FANIA Records später weltweit populär machen sollte. Wo beim Tanz die Verwandtschaft mit „Cha Cha Cha“, „Mambo“ und dem kubanischen „Son“ offensichtlich ist – ist die Musik, in New York, ihre Fusion mit dem hiesigen, hippen Musikstilen eingegangen. Jazz und dessen Auswuchs wie Funk hatte genauso einen großen Einfluss auf die „Latin Grooves“ wie der klassische Soul. 

 

Danza con mí, bebé

In the beginning was Manteca: Wechselwirkungen ergaben sich zu jener Zeit von selbst. Selbst progressive und avantgardistische Phasen des Jazz nahmen den Latin-Vibe in ihrer Musik auf. So konnten Künstler dieser Garde den Bebop immer wieder neu öffnen und weiter tragen in dem sie „afro-cuban rhythms“ in ihre Improvisationen einfließen ließen. Charly Parker, John Birks „Dizzy“ Gillespie oder Bud Powell gehörten hier zu den Schlüsselfiguren der Szene, die den Sound des neuen, jungen New Yorks schon in den Vierziger Jahren aufnahmen. Passend beschreibt Al McKibbon diese Zeit: „Als wir begannen mit der Dizzy Gillespie Band diesen Latin Vibe in unsere Musik aufzunehmen, passierte etwas Magisches. Allein der Einfluß der Conga Drums und das Zusammenspiel von Chano Pozo (kubanischer Musiker) und Dizzy war unvergleichbar.“ Heute kann man mit den allseits bekannten Stücken wie „Night in Tunisia“ oder „Woody’ n you“ jenes revolutionär anmutende Gefühl rekonstruieren. Bahn brechend für diese Phase gilt Gillespies LP „Cubano Bop, Cubano Be“. Machito und Charly Parker formten zusammen eine Latinjazz-Version von Gilberto Valdes’ „Mango Mangüe“ die man als Wegweiser in eine neue Epoch einordnet.

Ein Jahr vorher,1947, entstand auch der Track „Manteca“, eine Kollaboration von Gillespie und Pozo, die man heute als den Zeitpunkt markiert, als (amerikanischer) Jazz und Afro-Cuban Music sich als eigenes, neues Genre etabliert hat. Danach folgten weitere Fusionen und Kooperationen die das Genre Latin Groove bis in die Disco-Ära der 70er Jahren immer wieder weiter trugen.

Mambo Mania

Parallel zu der Revolutionierung des Jazz durch den Bebop, respektiv Cubop, schwappte von Kuba der klassische Mambo in die Vereinigten Staaten über. Riesige Tanzveranstaltungen, wie im legendären New Yorker Palladium, machten vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von sich Reden. Künstler wie Tito Rodriguez, Machito oder Tito Puente starteten hier mit eigenen Kapellen und Orchestern ihre Karrieren. Hier wurden die Wurzeln gelegt, für das was später zur Großfamilie des Latin Groove werden sollte. Zum traditionellen, kubanischen Son wurden mit zusätzlichen perkussiven Variationsmöglichkeiten wie Congas, Cowbell, Timbalas oder Bongos ergänzt und gilt als direkter Vorreiter des heutigen Salsa. Gerade Tito Puente wurde in dieser Zeit zu einer Schlüsselfigur und vermischte Rumba, Son, Cha-Cha-Cha oder Mambo mit zeitgenössischem Jazz zu einer dynamischen Tanz-Mischung.

Community Love, Rhythm & Takeover

Die Afroamerikaner hatte ihre „Black Power“- Bewegung, die großartig musikalische Werke her raus brachte und das Selbstbewusstsein einer ganzen Generation stärkte. Politische wie musikalisch waren die Werke von Ray Baretto wohl genauso prägnant wie vergleichbar verbreitere von Curtis Mayfield, Issac Hayes oder James Brown. Salsa war die zweite Stimme einer Minderheit in der Millionenmetropole die nach außen drang.

Seit den 50er Jahre war das Gebiet von der East 96th St. zur East 125th St. das Einzugsgebiet der hispanischen Immigranten (Spanish Harlem) schlechthin. Und es war vor allem die Geburtsort von „Latin Groove“ und seinen wichtigsten Figuren. Der am 17.02.06 verstorbene Perkussionist Ray Barretto war einer der einflussreichsten Latinjazz-Künstler dieser Epoche und stammte von dort. Er stand mit Willie Colon, Ruben Blades, Tito Puente, Cecila Cruz, Hector Lavoe oder Eddie Palmieri für das neue, (multi)-kulturelle Bewusstsein der (mehrheitlichen) Puerto Ricanern, die eigentlich teilweise schon in der dritten Generation New Yorker waren.
„Nuyorcians“ nannten sie sich selbst, schon bevor ihre Musik in die Welt hinaus getragen wurde. Es war ihre Attitüde sozialkritische Texte in ihre Lieder einfließen zu lassen und gleichzeitig ihren eigenen Lifestyle zu zelebrieren. Diese Musik war ihr Sprachrohr und sie konnte zeigen, dass sie die Wurzeln ihrer Vorfahren nicht vergessen hatten und trotzdem „etwas“ Neues daraus entwickelt haben. Sie entwickelten aus Traditionellen in einem authentischen, neuen Gewand eine ganz eigene Identität. In einer sehr kreativen und ansteckenden Art und Weise – die sie als „Our Latin Thing“ beschrieben. Diese geschwellte Brust war nicht selbstverständlich. Seit Castro 1959 Kuba in die Isotation verbannte, wurde auch die Zufuhr in die Staaten unterbrochen und damit auch der direkte Draht in die Heimat. Die Exil-Kubaner wollten (neben den Einwanderer aus Panama, Dominikanische Republik, Mexiko, Puerto Rico) jedoch das musikalische Erbe der Karibik, Süd- und Mittelamerikas in den neue Vibe einfließen lassen und arbeiteten akribisch. So entstanden Anfang der 60er Jahre einige essentielle Labels die Afro-Cuban & Latin Music veröffentlichen. Cotique Records, Alegre Records und West Side Latino Records gehörten zu den bekanntesten und erfolgreichsten Imprints. Ganz vorweg natürlich FANIA.

Fania Fame & Evolution

Fania Records, 1963 gegründet von Jerry Masucci und Johnny Pacheco, trug dieses „Latin Thing“ hinaus in die Welt und gilt bis heute als die „Heiligen Hallen“ (Joe Bataan) für dieses Genre. Hier entstand Musik dieser heissen Epoche. Ob Munguito Santamaria, Louis Ramirez, Cheo Feliciano, das Larry Harlow Orquestra, Bobby Valentin, Tito Allen oder der famose Tito Puente. Sie alle prägten den neuen Stil der erst die USA und dann die Welt eroberte. Verschieden Persönlichkeiten haben versucht die Wichtigkeit des Einflusses dieser Musik zu beschreiben und das Phänomen Latin Music zu beschreiben.

Der puertoricanische Dichter, Schriftsteller und Musiker Victor Hernandez Cruz beschrieb diese Epoche als „eine herrliche Balance zwischen den Welten. Musikalisch, kulturell, sozial und später sicherlich auch politisch. Die Kultur und Herkunft unserer Eltern vermischte sich mit der neuen und modernen Welt in New York. Musik, Architektur, Kunst und die Gedankenwelt.“ Cruz arbeitete später als Vordenker und prägnanteste Figur der Nuyorican School of Poets im Big Apple und San Fransisco. Er sieht die Phasen der 60er Jahre als die Wichtigste überhaupt. Bis heute untersucht er die Beziehungen der spanischen und englischen Sprache, spielt mit grammatischen Konventionen und unterstützt den Ansatz von bilingualer Erziehung und Bildung. Musik sah er schon immer als den elementarsten Teil der Schmelztiegeltheorie.

Max Salazar, anerkannter Musik-Historiker und Journalist aus New York, weißt auf die immense Bedeutung der Latin Jazz-Bewegung hin. „Man kann es nicht oft genug hervorstellen, dass gerade Latin Musik nicht nur Welten und Klassen zusammengeführte, sondern auch, wenn auch nur partiell erfolgreich, Rassentrennung überwunden hatte. Parker & McGhee waren Afroamerikaner. Brew Moore war ein Weiser mit jüdischer Herkunft. Flip Philipps war ein weiser Künstler mit italienischen, wenig toleranten Eltern. Chico O’ Farrill war ein weiser Kubaner. Buddy Rich war Jude. Nur der Latin Jazz veranlasste, dass sie zusammen musizierten. In dieser Zeit entstanden auch Freundschaften zwischen Lations, Weisen und Schwarzen obwohl es in vielen Jazzklubs, Bars und Veranstaltungsorten noch separate Eingänge für Nicht-Weise gab. Gerade die Musiker wieder setzten sich über solche Barrieren und Grenzen. Sie waren somit auch Pioniere in einem sozialkritischen Feld und waren sicherlich auch maßgeblich daran beteiligt, dass viele hispanische Migranten neues Selbstvertrauen fanden.“

Worldwide

Allgemein spricht man vom Höhepunkt und Wendepunkt des Latin Groove von 1974. Der kommunistische Kongo-Diktator Mobutu Sese Seko lud die Welt zum „Rumble in the jungle“ ein: Die Boxlegenden Muhammed Ali und George Foreman fighteten in Kinshasa/Zaire/Afrika gegen einander. Die Welt sah damals durchaus mehr als nur einen Boxkampf der Superlative – der eigentlich für Propagandazwecke instrumentalisiert war. Jenseits der Vorstellungskraft Vieler gab es ein Musikfestival das seinesgleichen suchte und heute überschwänglich auch mal gerne über Woodstock gesetzt wird. Neben dem „Godfather of Soul“ James Brown gab es auch ein massives Line-up von Salsa/Latin-Künstlern wie Cecila Cruz & the Fania-Allstars – der Stolz der ganzen Bewegung.

Geschätzte 30 Millionen weltweit verfolgten dieses Spektakel und entdeckten auch den Groove der „Nuyorcians“. Durch das starke Branding des US-Souls Anfang der 70er Jahre, wurde oft nur die afroamerikanischen Soul Brothers genannt. In der Tat war es jedoch einer der prägnantesten und historischsten Auftritte für Latin-Künstler die es gab. Die ganze Welt bekam nicht nur sportlich und politisch-darstellerisch ein Spektakel geboten, sondern vor allem wusste man jetzt von der Schmelztiegelmusik und den Rhythmen aus den New Yorkern Barrios. Während Fela Kuti und Tony Allen auf diesem Kontinent von Nigeria aus den Afrobeat mit seinen wuchtigen polyrhythmischen Auswüchsen gerade erfanden, krönte sich die in Havannah geborene Celia Cruz selbstredend mit diesem Auftritt zur bekanntesten Botschafterin und Grande Dame des Latin Movement.

Mongo Santamaria, einer der populärsten Latin-Musiker, blickt zurück: „Ich startete mit meiner eigenen Latin Jazz Kapelle 1963 in New York. Die Euphorie für unseren Groove trieb einem zu Höchstleidungen. Die Leute flippten aus wenn wir den amerikanischen Jazz mit den afro-cuban Music vermischten. Damals hatten wir einen unglaublichen Schub, nach dem wir Herbie Hancock’s „Watermelon Man“ coverten. Von da an stand uns die Welt offen. Wir spielten nicht mehr in einer Kneipe in Havanna, sondern hatten Angebote aus L.A, NYC, Paris, London oder Las Vegas. Meinem Traum, eines Tages mit afrikanischen Musikern wie Kuti, Masakela oder Makeba zu spielen, war ich etwas näher gekommen.“

Carlos „Patatos“ Valdes, prämierter Perkussionist, stellt den Aspekt des Austauschs hervor: “Es war für mich die logische Konsequenz meiner Arbeit und meines ganzen künstlerischen Daseins, dass ich die Musik Afrikas studieren. Es war immer der Grundgedanke von Latin Jazz verschiedene Stile zusammen zu führen. Ich war mit Herbie Mann überall in Afrika. Dakaar, Sierra Leone, Kongo, Kenja oder Zanzibar. Ich habe dort mit einheimischen Drumern gespielt. Sie lernten von mir über die Congas vielen kennen und ich studierte ihren musikalischen Reichtum, die Improvisationskunst und die unglaubliche Varianten.“

Der im Jahr 2000 verstorben „King of Latin Music“, Tito Puente, lebte und liebte den nie enden wollenden Rhythmus und nahm im Laufe seiner über fünf Jahrzehnte dauernder Karriere 116 Alben auf und komponierte über 400 Stücke. Er umschrieb die Magie des Latin Jazz als „pure Erregung“.

The Soul Drummer

Für viele Liebhaber der Materie gibt eine ganze bestimmt Platte bis heute ihr Faszination auf weitere Generationen an Interessierten transportieren kann. Zwar war Ray Barretto’s erster, kommerzieller Hit „El Watusi“ (1961) früher bekannt, jedoch hatten die Alben „Soul Drummer“ und „Acid“ ein Bewusstsein für den Boogaloo-Style geschaffen, das sich weltweit durchsetzte. Der Sohn puertoricanischer Einwanderer hatte durch seine progressiven Kompositionen immer wieder die ganze Szene überrascht und beeinflusst. Der Multiinstrumentalist und Congas-Spezialist („Hard Hands“) hatte es geschafft, die Ideen des Meister, Tito Puente, weiter zu denken. Die Einflüsse der afroamerikanischen Komparsen Lou Donaldson oder Julian „Cannonball“ Adderley mit denen er phasenweise auch in einer Band musizierte, zu einer explosiven Mischung aufzunehmen, die die 60er Jahre sehr markierten und Barretto zu einem der kreativsten Künstlern machte.

Fusion, Soul und auch immer öfters Funk, aber auch epochentypische psychedelische Rock-Elemente fügte er scheinbar spielerisch in seine Definitionen von neuer NuYorkican-Sounds ein. Trotzdem ließ er nie seine musikalische Tradition, der Boogaloo der 50er, außen vor. Er war ein Meister darin die Stile zu einer Symbiose zusammenfließen zu lassen. Mutiger war Crossover eines Latin-Künstlers nie. Auch wenn Namen wie Carlos Santana und Tito Puente öfter genannt werden, und bestimmt auch (kommerziell) erfolgreicher waren – gehört Barretto, neben Joe Bataan und Bobby Valentin, zu den ewig genialen Freigeistern des Genres, die man entdecken muss, wenn man sich mit dieser Musik in vollen Zügen entdecken möchte. Sein unglaubliches Cover von Stevie Wonder’s „Past time paradise“ ist wohl das schönste Beispiel für seinen Horizont und seine epochalen Schaffensphasen.

Latin Innovation

Mit Willin Colon oder Eddie Palmieri gab es in den 70er Jahren einige große Komponisten die immer wieder neue Wege suchten, den Latin Groove weiter zu entwickeln. Hier tauchte auch zum ersten Mal der Begriff „Salsa“ auf.
Jose Rizo, einer der bekanntesten Radioaktivist in Sachen Latin Music in Amerika, störte sich schon immer an dem Kategorien: „Wenn du versuchst Latin Music in irgendeine Schublade zustecken, dann hast du es nicht verstanden. Karibische und afrikanische Musik ist verschmolzen und entwickelt sich dauernd. Man sollte wirklich immer beachten, dass auch viel mehr als nur Musik ist.“ Rizo spricht deutlich die Entwicklung hinter der Musik an. „Salsa ist nur ein Überbegriff für etwas was nicht mehr greifbar, jedoch immer fühlbar ist. Diese Tanzmusik präsentiert die Quelle ethnischer Identität und den Stolz einer Zeit, in der viele Menschen mit Migrationshintergrund ihre kulturellen Wurzeln suchten. Sie fanden viel mehr.“

Der kubanische Jazzpianist Chucho Valdes sieht das unendliche Potential, sowie eine Frischzellenkur durch Rückbesinnung für von Nöten: „Wenn du müde bist nach neuen Wegen zu suchen, dann gehe einfach zurück zu den Wurzeln unserer Musik. Sie ist nach fast 70 Jahren immer noch frisch und kann dir immer wieder neue Perspektiven aufzeigen.“

Einige Plattenempfehlungen um einen guten Einblick zur Thematik zu bekommen:

Barrio Groove Expansion

Dieses Kultlabel beglückt den wehrten Hörer mit einer feinen Zusammenstellung der Retrospektive. „New York City Salsa“ (Fania Recods) ist ein musikalisches Manifest, das die Variantenvielfalt dieser Epoche auf 30 Stücken zusammenfasst. Alle wichtigen Veröffentlichungen und Künstler sind hier vertreten. Das ist ein sehr gelungenes und sehr detailverliebtes Zeitdokument was Ende der 70er von SalSoul und dem Paradise-Disco dann abgelöst wurde. Neben den ganz großen Protagonisten der Szene (Tito Puente, Ray Barretto, Hector Lavoe) hört man auf dieser Compilation eine Vielzahl an einflussreichen Künstlern wie Mark Dimond, Rafi Val oder Impacto Crea aus der Zeit von 1972 bis 1977.

Into Deep: Jazzman’s Latin Love

Bei allem Respekt für die Nerds in Japan, aber die Briten waren es, die schon immer Rare Groove am Leben hielten und immer wieder dafür sorgten, dass die Musik aus den 60ern und 70ern nicht verschütt ging. Neben Gilles Peterson, Russ Dewburry, Keb Darge und einigen anderen ist Gerald Short seit Jahren die Schlüsselfigur, wenn es um das wiederentdecken, veröffentlichen, auflegen und supporten alter Scheiben zwischen Jazz, Funk, Soul und Latin geht. Auch er hat sich vertieft mit dem Thema Latin Groove beschäftigt und hat dazu eine Compilation. sowie verschieden 7inches auf seinem Label Jazzman Records veröffentlicht. Auf „Dance the Latin…“ vereint er die drei Subgenre Latin Jazz, Latin Soul und Latin Funk auf einer Platte (respektiv CD), die vorher jeweils als 7inch-Singles-Box (wieder)-veröffentlicht wurden. Singles, für die man im Original teilweise horrende Preise auf Ebay oder Plattenbörsen hinlegen müsste. So sind die schweiß-treibenden, feurigen Nuyorican Grooves aus drei Jahrzehnten für alle die sich dafür interessieren zugänglich. Neben Genreklassikern von Mongo Santamaria, Tito Puente und Bobby Valentin gibt es rare Latintanzflächenbrände von La Lupe, Chollo Rivers und Al Escobar. Die explosive, leidenschaftliche Mischung aus tropischen Rhythmen der Karibik, Afrika und Süd- sowie Mittelamerika mischen sich mit den klassischen Black Music-Strömungen der 60er und 70er zu einem wahren Erlebnis – wobei Jazzman Records hier mehr die Einsteiger als die Nerds tangiert. Ergänzend sollte man sich hier auf dem gleichen Label die 7inch „Welcome to the party“ von The Har-You Percussion Group antesten.

Boogaloo Boom & Mambo Fever & Latin Breaks

Speziell die bis ungefähr 1969/70 anhaltende Boogaloo-Lust (Pete Rodriguez, Joe Cuba oder Johnny Colon) dokumentiert eine kleine mitreisende Phase die innerhalb der Latin Grooves einiges bewegte. Danza Y Movimiento und Concord Records haben 1998 einen perfekt zusammengestellten Einblick in gewährt. „Quiero Boogaloo“ bietet alle wichtigen Künstler und Genrehits. Die Compilation „The Bad Boogaloo – Nu Yorican Sounds 1966-1970“ (Universal/V2) geht sogar noch etwas mehr in die Tiefe und deutet die Epoche vor dem ganz großen Siegeszug von Mutterschiff Fania Records an. Kürzlich erst wieder als Reissue aufgelegt, kommt der Sampler „Boogaloo Pow Wow: Rendez-Vous in young Nuyorcia“(Honest Jon’s Records) mit einem tiefen Einblick in die frühen 60er Jahre in denen Tipico, Pachanga und der Boogaloo Welten bewegten. Reich als Kreativität, Neuerungen und Variationen entstand hier die Mixtur des Salsa, als das Mambo-Fieber sich legte. Hier begann die Phase die „Salsa“ kreierte. „Funky“ galt nicht mehr ausschließlich für die Musik der Schwarzen. Was danach geschah bzw. sich weiterentwickelte kann man auf den Zusammenstellungen „Freak Off“ & „Brown Sugar“ (Harmless Records) wunderbar hören. Hier gehen spielt man schwerpunktmäßig mal mehr Funk & Soul, psychedelischen Rock oder Jazz. Künstler wie Larry Harlow, Cal Tjader oder Joe Bataan stehen hierfür Pate. Die 40er und 50er Jahre, mit dem Schwerpunkt auf Mambo, kann man schön auf „Colors of Latin Jazz“ (Concord) überblicken.

 

Text: Peter Parker

 

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der UPTOWN STRUT (Printausgabe Herbst 2009) veröffentlicht.