Andy Smith presents REACH UP vol.1 (2LP)

Es ist fast schon unmenschlich in welchem Tempo und in welcher unfassbaren Qualität das britische Dauerlabel BBEmusic Compilations auf den Markt wirft. Bei welchem Label kann man schon alle Sampler blind kaufen? Die „Herbstoffensive“ gehört den englischen Gentlemen von BBEauch 2017. Erst kommt die langersehnte dritte Ausgabe der Rare-Jazz-Zusammenstellung „Private Collection“ von der inzwischen pensionierten DJ-Legende Kev Beetle mit echt abgefahrenem, größten Teils sehr tanzbaren Stücken und nun schickt DJ-Halbgott Andy Smith einer Portion funky Disco-Stuff übers Meer.  Dabei war das mit DJ und Andy Smith ja sehr lange für viele Menschen ein Irrweg. Der Typ war ein Teil der TripHop-Kapelle Portishead, die vor knapp 20 Jahren der Welt zeigten, wie dope depressiv/melancholische Melodien sein können. Ende der 90er war der bereits routinierte DJs und Plattensammler Smith dann mit einem Mixtape namens „The Document“ in aller Munde, weil er Beats und Breaks so herrlich rough mixte. Weltweite Bookings verdeutlichten immer mehr den superben Ruf des englischen Plattenlegers, der alles zwischen HipHop, Funk, Soul, Jazz, Afro, Rock und Reggae auflegt. Es folgten in den 2000ern einige sehr schöne Compilations (New Orleans & Jamaica Funk) von Smith, die seinem Namen als ewig goldener Crate Digger wieder einmal gerecht wurden. Seine verborgene Leidenschaft galt schon viele Jahr dem funky Disco-Sound. Das war auch der Grund für das Konzept seiner Partyreihe „Reach up“. Hier verneigt er sich vor den musikalischen Treibhauseffekten aus den Clubs „Paradise Garage“ oder „Studio54“ in NYC Ende der 1970er. Es gibt ansteckenden Boogie, schweißtreibende Discohymnen, Proto House Versuche und andere funkige Spielereien. Dabei spiegelt Smith hier sein exorbitantes historisches Wissen und seinen Entdeckungen unter den aktuellen Releases. Ein buntes Paket, dass viel in sich birgt. Sollte man, ob wunder, blind kaufen.

 

Text: Peter Parker